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Pflanzenkohle selbst herstellen

Von: Annelore Sedat, Verbandsfachberaterin

 

„Herstellung und Verwendung von Pflanzenkohle“ war am 14.Mai 2022 das Thema der Weiterbildungsveranstaltung für Vereinsfachberater. Unter kompetenter Anleitung und Unterstützung von Tomas Kilousek wurde im Verbandsgarten in einem Kon-Tiki Pflanzenkohle hergestellt.


Tomas Kilousek ist Bildungsreferent im Bundesverband Deutsche Schreberjugend und beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit diesem Thema und führt mit Jugendlichen und auch Multiplikatoren verschiedene Projekte durch, u.a. zum Thema Pflanzenkohle/Terra Preta. Unter www.deutsche-schreberjugend.de kann man mehr über den Bundesverband Deutsche Schreberjugend und seine Projekte erfahren. Unter dieser Adresse können auch verschiedene Infomaterialien heruntergeladen oder zum Versand angefordert werden.


Am Anfang gab Tomas Kilousek eine kurze theoretische Einführung zum Thema. Schon vor über 500 Jahren stellten die Ureinwohner des Amazonasgebietes durch den Einsatz von Pflanzenkohle fruchtbare Schwarzerden her, die auch heute noch sehr ertragreich sind. In dem Humus dieser Böden befindet sich sehr viel Pflanzenkohle.


In einem Pyrolyseofen, auch Kon-Tiki genannt, werden holzige Materialien wie Zweige und Äste zunächst als Turm aufgeschichtet und angesteckt. Wenn das Feuer nach einigen Minuten gut brennt, werden weitere Holzscheite und Zweige nachgelegt. In dieser speziellen Feuertonne werden Temperaturen zwischen 400 und 700 °C erreicht. Es kommt zur Pyrolyse. Durch die hohen Temperaturen und weil wenig Sauerstoff das verbrennende Material erreicht, verbrennt das Holz nicht zu Asche. Es entsteht Pflanzenkohle. Während der Pyrolyse wird nur ein Teil des im Holz gebundenen Kohlenstoffs in die Atmosphäre abgegeben. Der größte Teil des Kohlenstoffs bleibt in der Kohle gebunden. Pflanzenkohle enthält etwa 80% Kohlenstoff.Bei Temperaturen ab 450°C verbrennen auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe(PAK). Zu Pflanzenkohle kann sämtliches holziges Pflanzenmaterial, sowohl trocken als auch feucht, verarbeitet. Grüne Blätter sollten nicht dabei sein, da es sonst zu starker Rauchentwicklung kommt.



Im Gegensatz zur Kompostierung werden bei der Herstellung von Pflanzenkohle 30% weniger klimaschädliche Gase gebildet. Bei der Kompostierung von holzigen Materialien, dass sehr viel Kohlenstoff enthält, muss auf die Zugabe von stickstoffhaltigen Materialien geachtet werden, um ein günstiges CN-Verhältnis zu erreichen. Außerdem werden bei der Kompostierung klimaschädliche Gase wie Lachgas und Methan frei und auch Nährstoffe können ausgewaschen werden.

Der Pyrolysevorgang wird durch das Einleiten von Wasser unterbrochen. Dadurch wird die Kohle aufgebrochen. Im „Löschwasser“ lösen sich seifige Aschbestandteile. Es wurde der PH-Wert von 8 gemessen. Verdünnt könnte dieses Wasser zum Beispiel bei der Behandlung von mit Pilzen befallenen Pflanzen eingesetzt werden.



Nach dem Abkühlen wird die Pflanzenkohle möglichst auf Reiskorngröße zerkleinert. So erhöhen sich die Oberfläche und das Porenvolumen und es können mehr Nährstoffe und Wasser aufgenommen werden. Pflanzenkohle kann die 5fache Menge Wasser binden. Pflanzenkohle enthält keine Nährstoffe und muss demzufolge mit ihnen aufgeladen werden.

Die zerkleinerte Pflanzenkohle kann dem Komposthaufen zugesetzt werden. Nach etwa einem ¾ Jahr ist der Kompost fertig und die Pflanzenkohle mit Nährstoffen aufgeladen. Aber auch beim Ausbringen von Kompost kann etwa 1 Teil Pflanzenkohle mit 10 Teilen fertigem Kompost gemischt werden.


In den Gärten fällt regelmäßig Gehölzschnitt an. Wenn dieser nicht aus dem Garten entfernt, sondern zu Pflanzenkohle umgesetzt wird, wird ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und zur Klimaneutralität geleistet. Der während des Wachstums gebundene Kohlenstoff bleibt in der Pflanzenkohle erhalten, wird im Boden gebunden und trägt zum Aufbau von Dauerhumus bei.


Grillkohle sollte nicht wie Pflanzenkohle eingesetzt werden und auch nicht auf den Kompost gelangen. Sie wird bei niedrigen Temperaturen häufig aus Tropenholz hergestellt. Es gibt keine Grenzwerte für Grillkohle und sie kann Schadstoffe enthalten.


Es war eine sehr gelungene Veranstaltung. Die Fachberater waren dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen, hatten sich teilweise schon mit diesem Thema beschäftigt, stellten interessante Fragen und gaben eigene Erfahrungen auch zu ähnlichen Themen weiter. Ich bin überzeugt, dass die Vereinsfachberater das Thema Pflanzenkohle in ihren Vereinen weiter verfolgen werden.


Fotos: Verband der Gartenfreunde e.V. Hansestadt Rostock

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